ATSV „Frisch Auf“ Wurzen

„Nachwuchsarbeit ist ein Marathon und kein 100-m-Lauf“

 

Inhalt

1. Arbeit mit Eltern

1.1 Bambinis bis D-Jugend

1.2 D-Jugend bis A Jugend

1.3 Zusammenfassung

 

2. Ausbildungsziele

2.1 Grundsätze

2.2 Unterschied zwischen Kinder-und Erwachsenenfußball

2.3 Merkmale und Konsequenzen

2.3.1 Bambini (G-Junioren) und F-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

2.3.2 E-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

2.3.3 D-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

2.3.4 In der Pubertät – C- und B-Junioren

2.3.5 Nach der Pubertät A-Junioren

 

 3. Der Nachwuchstrainer

3.1 Anforderungen an unsere Nachwuchstrainer

 

 4. Das ballorientierte Spiel – unsere Philosophie

4.1 Grundsätze des ballorientierten Spiels

4.2 Grundsätze

4.3 Einheitliche Kommandosprache beim ballorientierten Spiel

 

1. Arbeit mit Eltern

1.1 Bambinis bis D-Jugend

Zu Saisonbeginn ist ein Elternabend abzuhalten. Dort erklärt der Trainer den Eltern…

  • den Gewissenskonflikt des Kindes, der durch ständiges Hineinrufen oder gut gemeintes Anfeuern entsteht, weilgerade bei den Bambini bis zur E-Junioren eine Überforderung wegen oft gegensätzlichen Anweisungen entsteht,
  • dass mit nicht kindgerechten Zurufen ein Spieler dieser Altersgruppen nichts anfangen kann (das sind z.B. „Ihr müsst besser decken!“ / „Sauber passen!“/ „Ihr müsst über die Flügel spielen!“/ „Du musst dich besser anbieten!“/ „Lasst den Ball laufen!“ usw.),
  • dass Kinder aufgrund ihrer altersbedingten kognitiven Aufnahmefähigkeit diese allgemeinen Anweisungen nicht differenzieren können und
  • dass es wichtig ist, dass Anweisungen vom Trainer kommen und das Kind beim Fußball auf seine Trainer hören muss.

Die Eltern sind aber auch ein wichtiger Bestandteil der Nachwuchsabteilung. Sie helfen den Trainern bei der Organisation rund um den Fußball, unterstützen die Kinder positiv und stärken somit auch deren Selbstvertrauen. Damit wird der junge Spieler ohne unnötigen Leistungsdruck durch Spaß am Fußball im Verein gebunden.

1.2 D-Jugend bis A Jugend

  • In diesem Altersbereich sind nicht mehr so viele Eltern beim Training/Spiel dabei.
  • Pubertierende Jugendliche drängen nach Selbstständigkeit.
  • Sie entwickeln eigene Meinungen, Ansichten und Denkweisen.
  • Der Trainer sollte auf einen „elternlosen Bereich“ achten (mütterliche Fürsorge kann schnell zu Lästereien führen z.B. „Muttersöhnchen“ od. „Schlappschwanz“, die nicht ungewöhnlich aber unnötig sind und ungewollte Probleme für den Spieler bringen).
  • Väter vergleichen ihre Jungen oft mit eigenen Fähigkeiten aus vergangenen Zeiten

1.3 Zusammenfassung

2. Ausbildungsziele

2.1 Grundsätze

Die Spieler sollen bestmöglich auf die Aufgaben im Herrenbereich vorbereitet werden, indem sie in der Nachwuchsabteilung kontinuierlich und optimal ausgebildet werden.

Ergebnisse sind:

  1. technisch und vielseitig gut ausgebildete Spieler auf allen Spielpositionen
  2. einstudierte Spielsysteme mit unterschiedlicher Interpretationen der Spielweise
  3. dynamische, temporeiche Aktionen während der gesamten Spieldauer
  4. Spieler, die als Persönlichkeiten mit Führungsqualitäten den Mannschaftserfolg immer wieder ermöglichen

 

Dabei weist jeder Abschnitt des Nachwuchsfußballs andere Schwerpunkte, Ziele und Methoden auf. Kurzfristige Erfolge sollen nicht im Vordergrund stehen und perspektivisch angelegte Ziele dürfen nicht außer Sicht kommen.

Grundsätzlich gilt das Prinzip des langfristigen Leistungsaufbaus.

  1. Individuell fördern und fordern (Förderung jedes einzelnen hat Priorität -das schließt Mannschaftserfolge nicht aus, aber immer als Resultat entwicklungsmäßig ausgebildeter, spielstarker und kreativer Einzelspieler)
  2. Trainingsziele und –Schwerpunkte am biologischen und psychischen Entwicklungsstand ausrichten (keine Orientierung am Erwachsenenfußball oder am kalendarischen Alter-Folge dieser Einstellung Über-/Unterforderung, monotone Übungen)

Fußballspielen im Verein fördert die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen (Selbstverantwortung für die eigene Leistung und damit für das eigene Leben entwickeln, lernen sich in der Gruppe mit verschiedenen Charakteren zurechtzufinden)

 

2.2 Unterschied zwischen Kinder-und Erwachsenenfußball

 KinderfußballErwachsenenfußball
TrainingSpaß, Freude, Fußball lernenAuf Wettspiel ausgerichtet
Sportliches ZielBegeisterung für regelmäßiges Sporttreiben schaffenSpielidee, Siege, Meisterschaften
ErfolgSpielerlebnis, Ausbildung aller KinderErgebnis
Tabelleunwichtigwichtig
Traineram Fortschritt aller Kinder gemessenam Ergebnis/Erfolg gemessen
Elternunbedingt einbeziehennicht von Bedeutung

2.3 Merkmale und Konsequenzen

Vor der Pubertät – Kindertraining Bambini bis D-Junioren

Kleine Kinder sind grundsätzlich neugierig und sehr bewegungsfreudig, verlieren aber schnell die Geduld. Sie haben eine vollkommen selbst bezogene Perspektive. Das bedeutet, dass sie ganz im Mittelpunkt ihrer Welt stehen. Mit zunehmendem Alter, so etwa ab 10 Jahren lernen sie dann, über ihren „Tellerrand“ hinaus zu schauen. Dadurch bekommen sie auch ein anderes Verständnis für ihre Mitspieler, für Spielaufgaben und Spielsysteme: Abwehr, Mittelfeld, Angriff. Sie lernen, langfristiger zu denken und systematischer auf Erfolge hinzuarbeiten.

 

2.3.1 Bambini (G-Junioren) und F-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

Altersbezogene Merkmale                                        Handlungskonsequenzen für den Trainer

völlig selbstbezogene Perspektive

„Nur ich bin wichtig“

das einzelne Kind in den Mittelpunkt seines Trainings stellen; Übungsformen in kleinen Gruppen (Spiel max. 3 gegen 3);Gelegenheiten bieten, persönliche Fähigkeiten zu zeigen
hoher Bewegungsdrangdie Kinder sollen den größten Teil der Trainingszeit aktiv in Bewegung sein
Kinder wollen spielenviele Spielformen anbieten
Lust neue Dinge selbst auszuprobierenwenig Vorgaben machen, viele unterschiedliche Aufgaben stellen und die Kinder die Lösung selber finden lassen
hohes Bedürfnis nach positiver Bestärkung von außen, hohe Anfälligkeit gegen Kritikdem einzelnen Kind viel Beachtung und Lob zukommen lassen, auf Kritik möglichst grundsätzlich verzichten
die eigene Wirksamkeit steht im Vordergrundviele Erfolgserlebnisse ermöglichen z.B. Torschüsse
Gegner wird oft noch als Spielpartner angesehenfaires Verhalten verstärken, unfaires mit kurzer Begründung unterbinden
Kurze AufmerksamkeitsfähigkeitÜbungen viel variieren, nach wenigen Minuten etwas Neues anbieten (ca. 15 min)
gering ausgebildete intellektuelle KompetenzKurze Erklärungen, sich auf das geistige Vermögen der Kinder einstellen
wirksamster Lernmechanismus: das Lernen am VorbildNach der Erklärung kurz vormachen

è  mit dem Auge Lernen

Stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinnalle Kinder gleich behandeln
Erfolgsdenken ist nachrangig„Nowinning Games“ einbauen, den Spaß am Spiel in den Vordergrund stellen
starkes Sicherheitsbedürfnisklare Führung, eindeutige Signale und Handlungsanweisungen geben
sehr neugierig und wissbegierigneue Erfahrungsmöglichkeiten und Grenzerweiterungen bieten

è  individuelle Lösungen fördern

 

2.3.2 E-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

Altersbezogene Merkmale                                        Handlungskonsequenzen für den Trainer

weiterhin hoher Glaube an die Selbstwirksamkeitviele Erfolgserlebnisse verschaffen
wachsende Identifikation mit den Mitspielernlangsam Teamfähigkeit entwickeln, Spiele und Übungen anbieten, in denen die Kinder aufein-ander angewiesen sind (Staffelwettbewerbe, Partnerübungen), Wert auf gemeinsame Äußer-lichkeiten (Trikots) legen, aber im Spiel noch Egoismen (dribbeln statt abspielen) zulassen
erste gemeinsame ZielsetzungenGemeinschaftliche Handlungsziele formulieren
Spielerlebnis ist oft wichtiger als der ErfolgRisikoreiches Verhalten unterstützen, die Leistung statt den Erfolg bewerten, Niederlagen sind erlaubt, den Spaß am Spiel betonen und manche Eltern mäßigen
Wunsch nach viel Aktivität und Bewegungdie Kinder sollen den größten Teil der Trainingszeit aktiv in Bewegung sein
Trainer wird als Vorbild im Lebensstiel und in seiner Haltung zum Sport empfundenauf Vorbildlichkeit des eigenen Verhaltens achten(Kontrolle der eigenen Aggression
starkes Sicherheitsbedürfnisklare Führung, eindeutige Signale und Handlungsanweisungen geben
Neugierdeneue Erfahrungsmöglichkeiten und Grenzerweiterungen bieten

 

2.3.3 D-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

Altersbezogene Merkmale                                        Handlungskonsequenzen für den Trainer

sinkender Anteil der individuellen Perspektivepositionsbezogenes Spiel einführen, aber noch keine Spezialisierung

è Spieler sollten alles spielen können

Teamgedanke gewinnt an Bedeutungmannschaftsdienliches Verhalten im Spiel stärken
gemeinschaftliche Zielsetzungen haben höheren Stellenwertvor der Saison, vor jedem Spiel gemeinsame benennen und altersgerecht visualisieren
Spielerlebnis ist oft noch wichtiger als der Erfolgrisikoreiches Verhalten unterstützen, die Leistung statt den Erfolg bewerten, Niederlagen sind erlaubt, den Spaß am Spiel betonen und manche Eltern mäßigen
Erkennen von Zusammenhängen: Entwicklung des Belohnungsaufschubs

(heutige Anstrengung führt erst zum späteren Zeitpunkt zum gewünschten Resultat)

Lernschritte durch aufeinander aufbauende Übungen systematischer erarbeiten

è Block- bzw. Zyklustraining mit Schwerpunkten

è Anwendung im Spiel beobachten und Einfordern

verbesserte Fähigkeit zur ProblemlösungLösungen für Spielsituationen selber finden / ausprobieren lassen

è Lösungen von Situationen im Training/Spiel erfragen

gesteigerte Fähigkeit zur Selbstbewertung und –Kritiknach Übungen/Spiel zuerst Selbstbewertung erfragen und diskutieren, dann durch Rückmeldung ergänzen

è Lösungen von Situationen im Training/Spiel erfragen

erhöhte KonzentrationsfähigkeitÜbungen mit erhöhter Anforderung an die Konzentration verwenden
Bedürfnis, Eigeninitiative zu entwickelnkleine Aufgaben zuteilen und einzelne Trainingsaufgaben mitgestalten lassen

> Individual- und Kleingruppentaktik Angriff und Abwehr <

2.3.4 In der Pubertät – C- und B-Junioren

Hier erleben die Jugendlichen einen inneren Konflikt zwischen dem Verlust der Kindheit und dem Streben in die Erwachsenenwelt. Diese Phase ist häufig besonders schwierig zu begleiten, zumal einige Spieler durch zu schnelle bzw. ausbleibende Wachstumsschübe zusätzliche Probleme erleben. Zugleich aber werden wichtige Grundlagen zur Persönlichkeitsentwicklung gelegt, so dass dem Spieler sehr viel Hilfe und Unterstützung zukommen gelassen werden muss.

C-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

 

Altersbezogene Merkmale                                        Handlungskonsequenzen für den Trainer 

Anerkennung wird erwartet und eingefordertzunehmend partnerschaftlichere Kommunikation
Stimmungsschwankungen (Launen) ,offen für (fast) alles und deshalb auch anfällig für AblenkungToleranz und Verständnis gegenüber den Schwankungen und auch dem verstärkten Einfluss von Gleichaltrigen zeigen

Als Begleiter mit klaren Regeln und Grundsätzen fungieren, dessen eindeutiges Verhalten Orientierung bedeutet

erhöhter Ehrgeiz und Siegeswille, Spaß am Vergleich mit anderen im Wettkampfmit Lob und noch mehr mit Tadel zurückhaltend sein, dafür die eigene Motivation der Spieler fördern, Gemeinschaftliche und individuelle Zielsetzungen formulieren, aber noch nicht zu stark werten
ansteigende KonzentrationsfähigkeitÜbungen mit erhöhter Anforderung an die Konzentration verwenden
Anspruch auf höhere Eigenverantwortlichkeitmehr Aufgaben übertragen, auch außerhalb des Trainings
eigene Perspektive wird langfristigerGemeinsam längerfristige Lernziele bestimmen
zunehmende Teambindung und -fähigkeitden Mannschaftsgeist auf und außerhalb des Platzes fördern
Bedürfnis nach individueller Verbesserung und Förderunggleichwertige „Grundbehandlung“ für jeden, ansonsten stärkere individuelle Förderung

> Technisch unter Zeit- und Gegnerdruck <

> Individual-Gruppen und Mannschaftstaktik nach Grundsätzen der Vereinsspielidee (Punkt 4) vermitteln – trotzdem variabel und flexibel ausbilden <-

 

B-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

 

Altersbezogene Merkmale                                       Handlungskonsequenzen für den Trainer

zunehmend geistige Reife   und Fähigkeit zur Selbstreflektion, Selbstwahrnehmung und Selbstkritikstärkere Orientierung auf mentale Anforderungen des Wettkampfes (Emotion, Willensstärke, Ausblenden von Störfaktoren), zur Selbstanalyse erziehen
bewusste Wahrnehmung von Stress und LeistungsdruckEinfache Entspannungsmöglichkeiten vermitteln

Realistische Erwartungen entwickeln und von Fremderwartungen abgrenzen

bewusster, teilweise übertriebener Einsatz von EmotionenFrustrationstoleranz, aber auch den angemesse-nen Einsatz von Freude vermitteln und vorleben
Entwicklung einer eigenen Identitätdurch eindeutiges Verhalten und durch Toleranz bei gleichzeitig klaren Regeln Orientierung bieten
Suche nach Lebensmodellendurch stimmiges Verhalten als Vorbild dienen
Unsicherheit beim Einstieg in die Erwachsenenweltverstärkt mit den Spielern als „Gleichaltrige“ kommunizieren
Streben nach EigenverantwortungSpieler Teile des Trainings selber gestalten lassen

2.3.5 Nach der Pubertät A-Junioren

Die Spieler sind jetzt gefestigt und in ihrem Verhalten konstanter. So muss der Trainer weniger Zeit mit der Beziehungsgestaltung verbringen und kann das Verhalten der Spieler auf und neben dem Platz optimieren. Die Spieler werden als Gleichberechtigte behandelt. Eigenverantwortung und Mitbestimmung sollen gefordert und gefördert werden. Dabei müssen die Führungsposition sowie der dem Trainer entgegenzubringende Respekt gewahrt bleiben.

 

A-Junioren: Merkmale und Handlungskonsequenzen

 

Altersbezogene Merkmale                                        Handlungskonsequenzen für den Trainer 

erhöhte Konzentrationsfähigkeitkomplexe technisch-taktische Übungen (Anschlussaktionen) anbieten
gesteigerte Stressbewältigungverschiedene Möglichkeiten des Umgangs mit Leistungsdruck vermitteln, wettkampfnahe Trainingsformen verwenden
verbesserte Selbstwahrnehmung und Selbstbewertungstärkere Orientierung auf mentale Anforderungen des Wettkampfes (Emotion, Willensstärke,Ausblenden von Störfaktoren), zur Selbstanalyse erziehen
Fähigkeit der eigenen Handlungskontrolle im WettkampfSpieler in kurzen Spielformen konkrete Aufgaben für sich selber benennen lassen, dabei Störeffekte einbauen (z.B. erhöhter Zeitdruck, äußere Ablenkung, Einhaltung einer Ereignisprognose)
voll Verantwortungsfähiggemeinsame Regeln bestimmen und vom Team eigenständig regulieren lassen
Fähigkeit zu / Bedürfnis nach Kommunikation auf gleicher Ebenevon Erwachsenem zu Erwachsenem reden
Suche nach Rückhalt im Privat- und/oder Berufsleben

Verständnis für Schule, Ausbildung haben

auch fussballfremde Aktivitäten einbauen, evtl. Grenzerfahrungen ermöglichen

bei der Umsetzung zum Fussballspielen unterstützen

Festigung der eigenen Identitätpositive Gruppenidentität der Mannschaft fördern plus Möglichkeiten zum individuellen Ausdruck lassen

 

3. Der Nachwuchstrainer

3.1 Anforderungen an unsere Nachwuchstrainer

Der Trainer …

 

…identifiziert sich mit den Zielen des Vereins und repräsentiert ihn vorbildlich. Alkohol und Zigaretten haben vor den Augen der Kinder nichts zu suchen!

…achtet das Fairplay, vor allem auch gegenüber Gegner und Schiedsrichter.

…ist teamfähig, kooperativ und fördert den Teamgeist.

…ist Vorbild und hat ein offenes Verhältnis zu allen Spielern.

…integriert alle Spieler in den Spielbetrieb und behandelt alle Kinder gleich.

…ist offen und lernbereit gegenüber der Spielauffassung des ballorientierten Spiels und nimmt an angebotenen Aus-und Fortbildungsmaßnahmen (z.B. Info-Abende am DFB-Stützpunkt, Weiterbildungen Leipziger Land, SFV)teil.

…bietet ein alters-bzw. kindgerechtes und abwechslungsreiches Training an.

…stellt den Spaß am Fußballspielen und die Ausbildung in den Vordergrund.

…geht sorgfältig mit anvertrauten Sportgeräten, Fahrzeugen, Bekleidung sowie Sportstätten um und achtet auf Einhaltung von Sportplatz- bzw. Hallenordnungen.

…richtet seine Arbeit nicht auf den kurzfristigen Erfolg aus sondern strebt einen nachhaltigen Erfolg an. Die Weiterentwicklung des einzelnen Spielers steht dabei im Vordergrund.

 

4. Das ballorientierte Spiel – unsere Philosophie

4.1 Grundsätze des ballorientierten Spiels

Das Ziel lautet „Tore schießen“!

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen! Das Ergebnis spielt im Nachwuchsfußball eine untergeordnete Rolle .Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber nicht auf Kosten der Spielfreude und der Ausbildung. Spielfreude erfordert Erfolgserlebnisse und diese sind eng mit dem Toreschießen verbunden. Deshalb sollte für alle Trainer gelten: Alle Spieler dürfen und sollen in jedem Training und in jedem Spiel Tore schießen! Speziell im Kinderfußball bedeutet

das, dass alle Kinder alle Positionen kennenlernen sollen. Dazu gehört auch der Torspieler, der im Kinderfußball nur als Mittel zum Zweck dient. Gerade diese Spieler werden viel zu früh spezialisiert und werden technisch nicht im gleichen Maße wie ihre Mitspieler ausgebildet. Moderne Spielsysteme kommen aber ohne technisch starke Torspieler nicht aus.

4.2 Grundsätze

Beim Ballorientierten Spiel (BOS) steht der Ball und das Tore schießen stets im Mittelpunkt des Spiels. Und zwar bei eigenem und bei gegnerischem Ballbesitz. Dieses Spielverhalten kann und muss schon von klein auf erlernt und trainiert werden.

Bei eigenem Ballbesitz greifen wir an, um Tore zu erzielen. Dabei wird das Spielfeld lang und breit gemacht. Alle Spieler beteiligen sich am Angriffsaufbau sowie am Herausspielen und Verwerten von Tormöglichkeiten. In 4 Spielreihen wird vom Torspieler aus zielstrebig nach vorn kombiniert und/oder situationsabhängig gedribbelt und konsequent der Torabschluss gesucht.

  • Spielaufbau auch unter Druck / kein LangholzBei gegnerischem Ballbesitz greifen wir an, um den Ball zu gewinnen. Dabei beteiligt sich die gesamte Mannschaft („geordnet, geschlossen und kompakt!“, “gemeinsam, gleichzeitig und gestaffelt!“) an der Ballrückeroberung. Alle Spieler laufen – verschieben – zeitgleich und abgestimmt zum Ball, schaffen Überzahl in Ballnähe und schließen Passwege. Die Ballnächsten greifen den Ballführenden aktiv und aggressiv von allen Seiten an, um den Ball zu gewinnen. Neben Bereitschaft und Disziplin sind für dieses Ballgewinnspiel vorherige Absprachen, Vereinbarung auslösender Signale und gemeinsame Kommandos sowie gegenseitigem Coaching erforderlich.

 

  • Reihenfolgen -> Ball -> Mitspieler -> Gegenspieler

 

  • Nutzen der Spielregeln und -begrenzungen
BallgewinnspielAngriffsspiel
  •  Nach Ballverlust sofort am Ball(weg) orientieren, geordnet und kompakt spielen (Bereitschaft, Disziplin, Abstände)
  • Gesamte Mannschaft schiebt geschlossen zum Ball und stellt Überzahl am Ball her
  •  Ballbesitzer von allen Seiten angreifen (Entschlossenheit, Dynamik in den Abläufen)
  • Den Ball gewinnen wollen, den Ball jagen (Konsequentes „Mehrkampf“-Verhalten)
  •  Tor machen wollen
  • Aktives nach vorn Verteidigen
  •  Nach Ballgewinn erster Blick nach vorne (Schnelles Umschalten, Rangfolge der Passmöglichkeiten)
  • Spiel in Breite und Tiefe öffnen (Tiefe vor Breite, Passschärfe/-genauigkeit)
  • Jeder Spieler will den Ball und beteiligt sich am Angriffsaufbau, am Herausspielen und Verwerten von Torchancen
  • Aus der Kompaktheit heraus spielen, nachrücken
  • Tor machen wollen

 

4.3 Einheitliche Kommandosprache beim ballorientierten Spiel

 

„Kommando “ 

Erklärung/Umsetzung

 

„Ordnung“

mit Ball  – Grundordnung, Organisation der Mannschaft auf dem

gegen den Ball – Spielfeld nach taktischer Vorgabe in den Spielreihen

„kompakt“ „eng“

enge Abstände zu Nebenmann und kurze Abstände zwischen den Reihen

„schieben“ 

jeder Spieler orientiert sich am Ort des Balles bzw. am Ballweg und bewegt sich zum Ball hin, dabei orientiert er sich in der Reihenfolge „Ball-Mitspieler-Gegenspieler“

Druck“, „drauf“ den Ball gewinnen wollen durch „geh nach“                                       

Angriffspressing – den Ballbesitzer ganz vorn, im ersten Drittel angreifen

Mittelfeldpressing – Ballbesitzer im Mittelfeld, im zweiten Drittel angreifen

Abwehrpressing – Ballbesitzer in der eigenen Hälfte, im dritten Drittel angreifen

„Hilf ihm“, „greif rechts / links an“, „mach rechts / links zu“

den Mitspieler vor und neben mir coachen und steuern, ihn stark machen, dabei möglichst Überzahl am Ball schaffen,  in den Passwege hineinlaufen, Pass- und Dribbelwege von allen Seiten schließen, von links von rechts, von vorn, von hinten einen Angriff nur mit und aus einem starken Zentrum starten

„Balljagen“, „jagen“

dem Ballweg oder dem Gegenspieler hinterhersprinten bis

„bleib dran“

zum Ballgewinn (ca./maximal 10 Sek., dann Ordnung herstellen und neuen Versuch vorbereiten)

„Auge“, „im Blick“

der ballferne Spieler rückt zur Ballseite Richtung Zentrum

„rechte/linke Schulter“

ein und wirft dabei ein Auge auf die ballfernen Gegenspieler die rechts oder links vor ihm spielen bzw. die sich in nahen Zonen befinden, einen Raum oder einen Gegenspieler bewusst freilassen, mit dem Pass angreifen (Idealfall ist der Angriff im Moment der Ballkontrolle)

„absetzen“ „Tiefe“

nach hinten laufen, dabei Ordnung und Kompaktheit beibehalten bzw. aufbauen und gegnerischen Ballbesitz verzögert angreifen

„warte“ „isolieren“

wenn der gegnerische Ballbesitzer wenig/keinen Druck

„hinhalten

hat und mit Tempo nach vorn spielen kann und das Spiel von nur einem Spieler /oder in Unterzahl verzögert wird, coacht damit der/die hin zulaufende/n Spieler den Mitspieler, wenn bei eigenem Ballbesitz nach dem Abspiel eine Freilaufaktion gestartet wird z.B. beim Hinter-/Überlaufen

„raus“

alle Feldspieler laufen nach einem abgewehrten Ball „raus“ aus dem Strafraum dem Ball hinterher, die Ballnächsten greifen an und versuchen den Ball zu erobern, gelingt der Ballgewinn nicht und der Gegner spielt wieder nach vorn, dann muss kurz vorher das Kommando „stellen“ kommen

„stellen“, „stehen“

hebt das Kommando „raus“ auf, den Sprint nach vorn abbrechen und geordnet weiterspielen

„Abstand“

ballferne Spieler in der zweiten Spielreihe müssen ihr Stellungsspiel nach den ballnahen Spielern ausrichten; greifen diese an, müssen sie mit angreifen, lassen sich die ballnahen Spieler fallen, müssen sich die ballfernen ebenfalls fallen lassen